Hans-Jakob Boesch
Hans-Jakob Boesch
01.08.2017

Ansprache an der städtischen Delegiertenversammlung vom 29. Januar 2015 zum Thema Quartierentwicklung und Wohnungsmarkt

Sehr geehrter Herr Regierungsrat, sehr geehrte Frau Regierungsratskandidatin, sehr geehrte Herren Stadträte, sehr geehrter Herr Parteipräsident, sehr geehrte Delegierte, Parteimitglieder und Gäste, liebe Freisinnige. Ich begrüsse Sie ganze herzlich im Name der FDP Zürich 3 im Kreis 3 zur städtischen DV.

Wir sind hier im historischen Kern von Wiedikon. Dieser hat sich nicht nur seit der Eingemeindung 1893 stark verändert, sondern auch seit 2010. 2010 wurde die Weststrasse gesperrt und – das wird von Linken gerne unterschlagen – die Westumfahrung und der Uetlibergtunnel eröffnet. Wo früher tausende von Autos und hunderte von Lastwagen tagtäglich durchfuhren, konnte sich seither ein Quartier entwickeln; es wurde saniert und gebaut und das Gebiet wurde zu einem attraktiven Wohnort mit Ausstrahlung in den ganzen Kreis.

Eigentlich könnte man nun sagen: Ende gut, alles gut. Nicht so aus Sicht der Linken.

Es beginnt bereits damit, dass der Begriff „Aufwertung eines Quartiers“ als etwas Schlechtes angesehen wird, so als ob die Situation zur Zeit des Durchgangsverkehrs viel besser gewesen wäre. Folglich stört man sich daran, dass alte Häuser saniert oder ersetzt werden. Und man stört sich daran, dass neue Leute ins Quartiert ziehen, und macht sie dafür verantwortlich, dass andere wegziehen müssen. Die Linken reden dann gerne von der „Verdrängung“ der sozial Schwachen. Das sind die gleichen Linken, die mit gefüllten Taschen in den vom Staat subventionierten Wohnungen hocken, die eigentlich genau für diejenigen vorgesehen wären, die Mühe auf dem Wohnungsmarkt haben. Verdrängung und Wohnungsnot werden lautstark beklagt, man wehrt sich aber gleichzeitig mit Händen und Füssen dagegen, dass mehr, höher und mit weniger bürokratischem Aufwand gebaut werden kann, so dass auch mehr Leute hier wohnen könnten. Man ist dann überrascht und kann es überhaupt nicht verstehen, dass bei hoher Nachfrage nach und tiefen Angebot an
Wohnungen die Mieten steigen. Und weil man es nicht versteht, lastet man es irgendwelchen obskuren Spekulanten und dem Grosskapital an.

Es ist für die Linken auch kein Wiederspruch, jahrelang zu jammern, dass die guten Steuerzahler nicht hier nicht mehr wohnen möchten und die Stadt deshalb kein Geld hätte, und dann, wenn die guten Steuerzahler endlich hier wohnen möchten, sie als „Bonzen“ anzufeinden und möglichst schnell wieder aus der Stadt zu jagen. Man kämpft für soziale Durchmischung in den Quartieren, meint damit aber ganz sicher nicht, dass ein Gutverdiener in ein „Arbeiterquartier“ ziehen soll. Ja, so als Linker lebt man in einer verrückten Welt. Man lebt im irren Glauben, dass die Aufwertung eines Quartiers ohne Veränderung einhergehen kann. Und irgendwie wird man den Verdacht nicht los, dass früher eben doch alles besser war.

Wir, von der FDP Zürich 3, sehen das selbstverständlich etwas anders: Wir sind freiheitlich genug, um Besitzer von Besetzern unterscheiden zu können. Wir verstehen genug vom Gemeinsinn, um subventionierte Wohnungen den sozial Schwachen zu geben und nicht den Sozialdemokraten. Und wir sind fortschrittlich genug, um die Aufwertung eines Quartiers als das anzusehen was es ist, nämlich eine Aufwertung.

Liebe Freisinnige, herzlich willkommen im Kreis 3, herzlich willkommen an der heutigen DV.

(Begrüssungsansprache an der Delegiertenversammlung der FDP Stadt Zürich vom 29.1.2015)