Hans-Jakob Boesch
Hans-Jakob Boesch
24.04.2020

Die Weichen jetzt stellen, damit der Neustart gelingt

Herausforderungen annehmen und diese zum Wohle der Gesellschaft und Wirtschaft lösen, das sind wir Freisinnge uns von unserem Politalltag her gewohnt. Wir übernehmen Verantwortung für die Gesellschaft, die Wirtschaft und unsere Umwelt. Auch jetzt haben wir keine Angst vor der Zeit nach der Krise, sondern erkennen die Chancen, welche sich uns bieten. Damit der Neustart der Wirtschaft und unser normales Alltagleben nach der Krise jedoch gelingt, müssen wir schon heute die richtigen Weichen stellen:

  • Was Freiheit ist, merkt man häufig erst dann, wenn man sie nicht mehr hat. Abstimmen, reisen, die Eltern besuchen, Bier mit Freunden trinken, ins Kino gehen – das geht heute alles nicht mehr. Unsere Freiheit wurde massiv eingeschränkt. Aus gutem Grund, klar. Aber wir alle wollen diese Freiheit so schnell wie möglich wieder zurück. Das zeigt, wie wertvoll Freiheit ist. Auch zukünftig sollte deshalb die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger im Zentrum unserer Politik stehen.
  • Unsere Wirtschaft ist enorm unter Druck, unsere Arbeitsplätze sind nicht gesichert. Es ist deshalb zwingend, den Unternehmen den grösstmöglichen Freiraum zu schaffen, damit diese ihre ganze Energie in die Innovation und Produktion stecken können. Abbau von Regulierung, massvolle Besteuerung und exzellente Infrastrukturen ist für viele ein freisinniges Mantra – noch selten aber waren diese Forderungen so dringend wie heute.
  • Die Bedeutung der Digitalisierung wurde uns allen vor Augen geführt. Hier müssen Unternehmen, Verwaltung, Spitäler, Universitäten und Schulen die Chance der Stunde nutzen und einen gewaltigen Schritt nach vorne machen. Die digitale Infrastruktur ist überall auszubauen und zu stärken. Und ganz generell gilt es Innovation und technologischen Fortschritt zu fördern und zum Durchbruch zu verhelfen – die Entwicklung von Corona-Tests und Beatmungsgeräten gehen direkt darauf zurück.
  • Der Generationenvertrag wurde auf die Probe gestellt: Zum Schutz der älteren Generation nehmen die jüngeren Generationen massive Einkommenseinbussen und einen immensen Schuldenberg auf sich. Die Reform der Altersvorsorge ist nun noch dringender als zuvor, damit die Last für die jüngeren Generationen sie nicht gänzlich erdrückt und die Zukunft raubt.
  • Unser Wohlstand – das zeigt sich nun ganz deutlich – geht massgeblich auf den Handel mit dem Ausland zurück. Eine Abschottung wäre deshalb fatal für die Sicherung unseres Wohlstands und unserer Lebensqualität. Wir tun aber gut daran, den Handel zu diversifizieren, Pflichtlager wieder ernst zu nehmen und mit einer Flotte aus Handelsschiffen und Flugzeugen eine allfällige Notversorgung sicherzustellen.
  • Unsere Milizgremien gilt es in Zukunft weiter zu stärken. Von der Schulpflege bis zum Sanitätssoldaten, haben diese in dieser Krise Enormes geleistet. Dank ihnen konnten wir rasch zusätzliche Kräfte mobilisieren und die Massnahmen nah bei der Bevölkerung und damit mit entsprechend hoher Akzeptanz umsetzen. Milizarbeit ist also nicht schöne Nostalgie vergangener Zeiten, sondern das Rückgrat unserer Gesellschaft, gerade in einer Krise.
  • Die Corona-Krise können wir nur gemeinsam bewältigen. Es beginnt mit der Eigenverantwortung beim Abstandhalten und Händewaschen. Es beinhaltet die gegenseitige Unterstützung im Freundes- und Familienkreis sowie in der Nachbarschaft. Und es umfasst unsere Sozialwerke (insbesondere Krankenkasse, Arbeitslosenkasse und Erwerbsersatz). Alles zusammen ist es unser Gemeinsinn: Für sich und die anderen sorgen sowie den Schwächsten helfen. Das hält uns trotz aller Unterschiede zusammen und macht uns gerade in einer Krise stark.

 

(Erschienen im Zürcher Freisinn 2/2020.)