Hans-Jakob Boesch
Hans-Jakob Boesch
01.02.2020

Für das Klima und unseren Wohlstand

Erstmals wurde am Flughafen Zürich ein Flugzeug mit erneuerbarem Flugzeugtreibstoff betankt. Das ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt zur Reduktion unseres CO2-Ausstosses und im Kampf gegen den Klimawandel. Denn er zeigt einen Weg auf, wie wir das Klima schützen können, ohne unsere Arbeitsplätze und unsere Lebensqualität zu gefährden.

Ob wir fliegen, Auto fahren oder heizen – überall kommt heute noch Erdöl und Erdgas zum Einsatz und trägt damit zur Klimaerwärmung bei. Gleichzeitig sind unser Wohlstand, unsere Lebensqualität und unsere Arbeitsplätze die direkte positive Folge einer prosperierenden Wirtschaft basierend unter anderem auf Erdölprodukten. Die grosse Herausforderung ist deshalb, von fossilen Energieträgern loszukommen und das Klima zu schützen und gleichzeitig unseren Wohlstand, Lebensqualität und Arbeitsplätze zu sichern.

Extreme Forderungen, wie diejenigen nach einem „Systemwechsel“ oder einem radikalen Verbot von Motoren, bringen diese Balance nicht hin und sind nicht zielführend. Kommt hinzu, dass nur bei einer funktionierenden Wirtschaft genügend Geld, technologischer Fortschritt und Innovation vorhanden sind, um den Klimawandel (bzw. generell Umweltschutz) zu bekämpfen. Auch Appelle, auf den Ferienflug und die Bratwurst zu verzichten, sind weltfremd und deshalb wirkungslos. Vielmehr müssen die Wirtschaft und Gesellschaft mittels Kostenwahrheit und Anreizen dazu gebracht werden, die endlichen Ressourcen sparsamer einzusetzen und den CO2-Ausstoss zu minimieren bzw. Erdölprodukte durch synthetische Produkte zu ersetzen.

Dass dies nicht nur graue Theorie ist, sondern funktioniert und Resultate liefert, zeigt beispielhaft die Betankung des Flugzeugs mit Flugzeugtreibstoff, das aus Altöl und Speiseabfällen gewonnen wurde. Noch ist die Beschaffung von nachhaltigem Flugzeugtreibstoff in der Schweiz ein grösseres Unterfangen. Der Preis liegt zudem drei bis vier Mal höher als bei herkömmlichem Kerosin. Und auch die Menge an verfügbarem nachhaltigem Treibstoff ist heute noch viel zu klein, um sämtliche Flüge damit zu ermöglichen. Aber von diesem Pilotprojekt können wertvolle Erfahrungen für Verbesserungen gewonnen werden. Und es bestärkt innovative Unternehmen darin, in die Weiterentwicklung nachhaltiger Produkte und Technologien zu investieren. Liegt erst einmal ein ausgereiftes Produkt bzw. Technologie vor, kann dieses – das lehrt die Erfahrung – rasch im grossen Stil und damit günstig hergestellt werden. Mit diesem Ansatz lässt sich das Klima und unser Wohlstand schützen.

 

(Erschienen im Zürich West am 30.1.2020)