Hans-Jakob Boesch
Hans-Jakob Boesch
03.08.2017

In der Stadt Zürich sind alle Menschen gleich, einige sind allerdings gleicher

Das vergangene Wochenende hat es wieder einmal in aller Deutlichkeit gezeigt: Wer links ist und ein genügend grosses Gewaltpotenzial aufweist, kann in der Stadt Zürich schalten und walten, wie er will. So konnten die Binz-Besetzer nicht nur drei Tage lang das Binz-Areal widerrechtlich in Beschlag nahmen, sondern sie foutierten sich auch um die Nachtruhe der Anwohnerinnen und Anwohner, pöbelten ihnen nicht genehme Politiker und Medienschaffende ungestraft an, setzten sich über städtische Auflagen und Vorschriften für Veranstaltungen einfach hinweg und überliessen das Entsorgen ihres Abfalls der Öffentlichkeit. Diese rechtsfreie Zone genoss volle politische Rückendeckung durch den Stadtrat und stand quasi unter Polizeischutz.

Es ist nun aber keinesfalls so, dass der links-grüne Stadtrat plötzlich vom Liberalismus ergriffen wäre und Bürokratieabbau betriebe, im Gegenteil. So haben sich z. B. die Organisatoren des diesjährigen Quartierfests im Kreis 9 strikt an die unzähligen städtischen Vorgaben zu halten, in monatelanger Arbeit müssen sie mühsam Konzepte für Abfall, Lärm usw. erstellen, Bewilligungen einholen und Gebühren entrichten.

Der Stadtrat misst also mit zwei verschiedenen Ellen und verstösst damit grob gegen das Verfassungsrecht, dass alle Bürgerinnen und Bürger vor dem Gesetz gleich sind. - In der Stadt Zürich sind Linke eben gleicher!

(Leserbrief in der NZZ vom 25. Juli 2015)