Hans-Jakob Boesch
Hans-Jakob Boesch
31.07.2017

Liberalismus als einzige Alternative

Die Mindestlohninitiative und die Masseneinwanderungsinitiative haben es exemplarisch gezeigt: Die Schweiz befindet sich mitten in einer Wertedebatte, einer Debatte über nichts Geringeres als die politische Zukunft dieses Landes. Dominiert wird diese Debatte von den Sozialisten und den Rechtskonservativen. Diesen beiden rückwärtsgewandten Konzepten ist der Liberalismus als Alternative entschieden entgegenzustellen.

Aus Sicht der Sozialisten ist der Mensch unselbständig und schlecht. Ihre Politik zielt deshalb darauf ab, dem Bürger alle Entscheidungen wegzunehmen und auf den Staat zu übertragen, der es allen richten soll. Gleichzeitig soll ein „besserer“, „sozialer“ Mensch heranerzogen werden – auch das zu dessen eigenem Wohle. Die Verschiedenheit der Menschen wird dabei als grösster Makel angesehen, weil damit materielle Ungleichheit verbunden ist. Letztendlich wird einem gesagt, wo und wie man wohnen darf, wo und wie man arbeiten darf, ob und wie man sich fortbewegen darf, ob und wie man sich ernähren darf und wer zu wählen ist. Die Sozialisten nennen diese Politik „sozial“; dass der Mensch dabei auf der Strecke bleibt, ist sein Pech.

Für die Rechtskonservativen hat die „moderne“ Schweiz wiederum auszusehen wie das „Landidörfli“ von 1939. Hierfür haben in der Gesellschaft klar vorgegebene Rollenbilder zu herrschen und das Land ist von der Umwelt zu isolieren. Wer anders ist, ist falsch; Neues und Fremdes wird einzig als Gefahr und nie als Chance gesehen. Obwohl sich die Rechtskonservativen dabei gerne wirtschaftsfreundlich geben, opfern sie für diese Weltsicht auch den Wohlstand der Schweiz: Der Binnenmarkt soll gegen Aussen abgeschottet und eine Wirtschaftsstruktur wie anno dazumal aufrechterhalten werden. Auch wird die gefährliche Illusion gepflegt, die Schweiz könne als Kleinstaat ihre Unabhängigkeit und ihre weltweiten (Wirtschafts-)Interessen wahren, indem sie internationales Recht ablehnt und stattdessen auf das Recht des Stärkeren setzt.

Zukunft sieht für die Schweiz anders aus. Die Freiheit der Bürger muss im Zentrum stehen und nicht Angst, sondern Zuversicht muss Triebkraft der Politik sein. Der Liberalismus steht für diese Werte, und dies mit Erfolg. So zeigt gerade die Geschichte der Schweiz, was liberale Politik bewirken kann: ein hoher Grad an individueller Freiheit, ein grosser Wohlstand und ein intakter gesellschaftlicher Zusammenhalt. Diese Politik gilt es auch zukünftig überzeugt und unbeirrt weiterzuverfolgen, damit dem Sozialismus und Rechtskonservatismus eine zukunftsfähige Alternative entgegengestellt werden kann.

(Erschienen im Zürcher Freisinn Nr 2/2014)