Hans-Jakob Boesch
Hans-Jakob Boesch
22.07.2019

Nur ein starker Finanzplatz hilft dem Klima

Nach dem Fliegen ist nun die Finanzbranche die nächste Zielscheibe der Klimaaktivisten. Dabei schrecken sie selbst vor illegalen Aktionen nicht zurück, wie die jüngsten Ereignisse zeigen. Dies ist nicht nur aus rechtsstaatlicher Sicht klar zu verurteilen und abzulehnen. Sondern solche Aktionen bringen auch nichts. Im Gegenteil: Sie diskreditieren damit generell alle, die sich konstruktiv für eine Bekämpfung des Klimawandels einsetzen, lösen Widerstände in der Stimmbevölkerung aus und halten kein einziges CO2-Molekül davon ab, in die Atmosphäre ausgestossen zu werden.

Links-grüner Aktivismus schadet uns allen

So schädlich wie ihre Aktionen so schädlich sind auch ihre Forderungen: Banken, Versicherungen, Pensionskassen und Kleinanleger müssen alle sofort sämtliche ihrer Investitionen in «klimaschädliche Firmen» de-investieren. In die Realität umgesetzt würde dies nicht nur bedeuten, dass Unmengen Kapital und damit Wohlstand und Investitionsmöglichkeiten auf einen Schlag vernichtet würde – denn wo wäre noch ein Käufer für all diese Firmenanteile zu finden?

Nein, auch die Realwirtschaft und unser Alltag kämen per sofort zu einem Stillstand: Ohne Atom- und Kohlenstrom, ohne Benzin und Diesel, ohne Lithiumbatterien und Plastik, ohne Palmöl und Rindfleisch würde derzeit unsere Leben nicht nur keinen Spass mehr machen, sondern unsere Lichter gingen alle von heute auf morgen regelrecht aus. Dass die linken und grünen Parteien genau das fordern, zeigt, dass sie von der Wirtschaft nichts verstehen, den technologischen Fortschritt für eine Mär halten und ihnen die Interessen der Arbeitnehmenden egal sind.

Dabei gibt es durchaus Alternativen in der Klimapolitik: Massnahmen, die ökologisch wirksam sind und gleichzeitig ökonomisch tragbar und von der Bevölkerung akzeptiert. So befürworte ich seit jeher Eigenverantwortung, Innovation und Forschung sowie Lenkungsabgaben und Kostenwahrheit. Verbote kommen für mich nur als ultima ratio in Frage. Mit diesen Instrumenten liess sich bereits sehr viel bewirken, wie die CO2-Reduktionen im Gebäudebereich und in der Industrie zeigen. Dabei gab es keinen Widerstand in der Bevölkerung, und es gingen keine Arbeitsplätze verloren. Im Gegenteil: Klare Signale und kluge Anreize für die Wirtschaft sowie gezielte Finanzmittel für die Forschung können Investitionen auslösen und zu Innovationen führen sowie die Wertschöpfung der Schweizer Wirtschaft – gerade auch mit Blick auf die Exportprodukte – steigern.

Ohne Ökonomie keine Ökologie

Selbstverständlich ist auch die Finanzbranche gefordert, einen Beitrag in der Klimapolitik zu leisten. Aber auch hier sollen nicht Verbote und staatliche Bürokratie bestimmend sein, sondern Eigenverantwortung, Innovation und Anreize. Viele Finanzinstitute haben denn auch bereits grosse Anstrengungen unternommen, bei ihren Geschäftsaktivitäten – im Besonderen bei den Investitionsentscheiden – die Auswirkungen auf die Umwelt und Gesellschaft einzubeziehen (Stichwort: ESG-Kriterien). Darauf soll und kann aufgebaut werden, aber eben zusammen mit der Finanzbranche und nicht gegen sie.

Ich bin überzeugt, dass mit dieser Stossrichtung, der Zürcher und letztlich auch der Schweizer Finanzplatz gestärkt werden und dieser gleichzeitig seinen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel und die Umweltverschmutzung leisten kann. Das ist zwar weniger spektakulär als Hausfriedensbruch und Nötigung und weniger radikal als sofortige De-Investition, dafür haben wir auch in Zukunft einen gut bezahlten Arbeitsplatz und einen stets kleiner werdenden ökologischen Fussabdruck.

Der Klimawandel ist eine Tatsache. Wir tun deshalb gut daran, den Ausstoss der Treibhausgase netto zu senken. Aber nicht mit Verboten, planwirtschaftlichen Eingriffen und illegalen Aktionen, sondern im Rahmen des geltenden Rechts, zusammen mit den betroffenen Branchen und im Interesse der Bürgerinnen und Bürger. Denn ohne Ökonomie keine Ökologie.

 

(Erschienen in finews.ch am 21.7.2019)