Hans-Jakob Boesch
Hans-Jakob Boesch
04.02.2018

Stärkung des Schweizer Bildungssystems

Liebe Freisinnige

Es gehört zu den unbestrittenen Allgemeinplätzen, dass Bildung die (einzige) Ressource der Schweiz ist und damit wesentlich zu unserem Wohlstand beiträgt. Dies galt früher, trifft heute noch zu und wird auch in (naher) Zukunft nicht anders sein. Kein Wunder also, dass sich die FDP schon seit jeher für gute (Aus-)Bildung der Bevölkerung einsetzt. Hierzu gehören eine gute öffentliche Volksschule, das duale Bildungssystem mit der Berufsbildung und der Universitätsbildung, die Spitzenforschung sowie ein vielfältiges Weiterbildungsangebot.

Erfolgreiche Schweizer Bildungspolitik

Das Resultat der Schweizer Bildungspolitik lässt sich zeigen: Das Bildungsniveau ist durch alle Alters- und sozialen Schichten relativ hoch, was auch unsere Demokratie stärkt. Zusammen mit dem dualen Bildungssystem trägt dies wesentlich dazu bei, dass die Arbeitslosigkeit tief bzw. der Beschäftigungsgrad hoch ist, was wiederum das hohe Wohlstandsniveau breiter Bevölkerungsschichten und den sozialen Frieden (mit)erklärt. Und nicht ohne Grund zählt der Standort Schweiz weltweit zu den innovativsten, was sich ebenfalls positiv auf die Arbeitsplatzsituation und den Wohlstand auswirkt.

Es ist deshalb kaum ein Wunder, dass uns viele Länder um unser gutes Bildungssystem beneiden und insbesondere die Berufslehre gerne kopieren möchten. Aber trotz dieser guten Ergebnisse und trotz des Lobs darf nicht vergessen gehen, dass die Arbeit am Bildungssystem nicht bzw. nie erledigt ist. Denn die Welt verändert sich – insbesondere die Berufsbilder – und damit auch die Anforderungen an das Bildungssystem. Soll Bildung also auch in Zukunft die entscheidende Rolle für die Entwicklung der Humanressourcen der Schweiz sein und unseren Wohlstand sichern, müssen wir unser Bildungssystem fit für die Zukunft machen.

Zukünftige Herausforderungen im Bildungssystem

Für die FDP ist klar, dass dies nicht erreicht wird, indem man – wie von den Linken immer wieder verlangt – einfach mehr Geld ins bestehende Bildungssystem steckt. Ziel muss vielmehr sein, mit den vorhandenen, beschränkten Ressourcen bessere Ergebnisse zu erzielen und vor allem das Bildungssystem, dort wo nötig, an die heutigen und zukünftigen Herausforderungen anzupassen. Konkret geht es unter anderem um folgende Herausforderungen in der Bildung, die wir im vorliegenden Zürcher Freisinn genauer beleuchten:

  • Das bestehende Fachkräftepotenzial besser nutzen, um die von der Wirtschaft verlangten Qualifikationen bereitzustellen und so die Zuwanderung zu reduzieren (S. 4)
  • Tagesschulen etablieren, damit berufstätige Mütter aber auch Väter(!) auch tatsächlich berufstätig sein können (S. 5)
  • Das bewährte duale Bildungssystem anpassen an die technologischen Veränderungen (Stichwort Digitalisierung) und seinen Stellenwert in der Gesellschaft wieder stärken (Strichwort Überakademisierung) (S. 8)

Ablehnung der schädlichen Volksinitiative «Lehrplan vors Volk»

Eine weitere Herausforderung ist, die Lerninhalte und die Art der Vermittlung in der Volksschule an die heutige Zeit und die Bedürfnisse von morgen anzupassen. Die FDP hat sich deshalb letztes Jahr klar und erfolgreich für das Beibehalten von Frühenglisch in der Primarschlue eingesetzt. Eine weitere freisinnige Forderung in diesem Zusammenhang besteht darin, die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) in der Volksschule zu stärken. Diese sinnvolle Neuerung zum Wohle der nachfolgenden Generationen steht nun aber am Abstimmungssonntag vom 4. März zur Disposition. Wenn es nämlich nach rechtskonservativen Kreisen geht, soll der neue Lehrplan 21, der – wie es der Name sagt – die Volksschule ins 21. Jahrhundert transformiert, indirekt verunmöglicht werden. Die Delegierten der Kantonalpartei haben die Initiative «Lehrplan vors Volk» klar abgelehnt. Die Gründe für diese Ablehnung sind die folgenden:

  • Der Lehrplan 21 enthält die von der FDP geforderten Verbesserungen der Lehrinhalte in der Volksschule, namentlich die Stärkung der MINT-Fächer, die Berufsvorbereitung und die Wirtschaftskompetenzen
  • Der Lehrplan 21 wurde bereits mehrmals politisch legitimiert und ist breit abgestützt. So hat das Stimmvolk sich drei Mal klar für den Lehrplan 21 ausgesprochen (Annahme des neuen Volksschulgesetztes, Ablehnung zweier Haroms-Initiativen) und interessierte Kreise, darunter die FDP, konnten sich zwei Mal in Vernehmlassungen en detail zum neuen Lehrplan äussern
  • Basierend auf diesem klaren Volksentscheid hat die Umsetzungsarbeit des Lehrplan 21 im Kanton Zürich – absolut zu recht – bereits begonnen (unter anderem mit der Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer und der Erstellung neuer Lehrmittel), so dass der Lehrplan 21 auf das Schuljahr 2018/2019 in den Zürcher Schulen eingeführt werden kann. Ein Nein zum Lehrplan 21 würde somit nicht nur das Rad zurückdrehen, sondern wäre auch eine Verschwendung von Steuergeldern.

Im Namen der Kantonalpartei möchte ich Sie deshalb bitten, am kommenden Abstimmungssonntag vom 4. März nicht nur unsere FDP-Kandidierenden in die kommunalen Parlamente und Exekutiven zu wählen, sondern auch ein beherztes Nein zu «Lehrplan vors Volk» in die Urne zu legen. Damit stärken Sie den Bildungsstandort Zürich und unseren Wohlstand. Vielen Dank.

Liberale Grüsse

Hans-Jakob Boesch

 

(Erschienen im Zürcher Freisinn 1/2018)