Hans-Jakob Boesch
Hans-Jakob Boesch
19.05.2018

Unsere Verkehrsinfrastruktur fit für die Zukunft machen

Liebe Freisinnige

Der Verkehr oder besser gesagt die Mobilität trägt wesentlich zu unserem hohen Wohlstand und unserer grossen Lebensqualität bei. Unser Alltag ohne jegliche Transportmittel ist kaum mehr vorstellbar: Z. B. müssten wir zu Fuss zur Arbeit und auf den Wochenendausflug und die meisten Lebensmittel und Konsumgüter könnten uns nicht mehr geliefert werden. Der hervorragenden Verkehrsinfrastruktur des Kantons Zürich haben wir also sehr viel zu verdanken. Aber aufgrund der steigenden Anzahl Einwohnerinnen und Einwohner und des wachsenden Bedürfnisses nach Mobilität, gerade in der Freizeit, ist eine Weiterentwicklung dieser Infrastruktur unumgänglich, ansonsten büssen wir rasch an Wohlstand und Lebensqualität ein.

Konkret müssen folgende Massnahmen umgesetzt werden, damit unsere Verkehrsinfrastruktur fit für die Zukunft ist:

  • Die Kapazität unserer Verkehrsinfrastruktur muss gesteigert werden und zwar durch spezifische Ausbauten, dort wo Engpässe bestehen bzw. drohen. Dies gilt selbstverständlich für alle Verkehrsträger gleichermassen, also Schiene, Strasse und Luft. Zu nennen sind hier z. B. der Brüttenertunnel und das 4. Gleis Stadelhofen, die Umfahrung Eglisau und die Oberlandautobahn oder die Pistenverlängerungen beim Flughafen. Dass diese Projekte nicht oder kaum vom Fleck kommen, liegt nicht an fehlenden Mittel – der Strassen- und der Verkehrsfonds des Kantons sind prall gefüllt und Bundesgelder für Bahn und Nationalstrassen sind reichlich vorhanden –, sondern vor allem an politischer Obstruktion, hohen Auflagen und zahlreichen Einsprachen. Ich bin froh, dass unsere Regierungsrätin Carmen Walker Späh hier Druck und Tempo macht, gerade auch in Bundesbern.
  • Die Kapazität steigern heisst aber auch, die bestehende Infrastruktur besser bzw. effizienter zu nutzen. Für zumindest kurze Strecken sind beispielsweise in der S-Bahn auch vermehrt Stehplätze vorzusehen und tangentiale Linienführung bringt eine etwas ausgeglichenere Belastung der einzelnen Strecken und Knoten. Mit elektronischem Sicherheits- und Bremssystem können S-Bahnen in kürzerer Folge aufeinander eine Strecke befahren. Das Gleiche gilt auch für Autos, die untereinander und mit Verkehrszeichen kommunizieren. Und dank „Sharing“-Angebote können Fahrzeug besser ausgelastet werden. Übergeordnet erlaubt die Digitalisierung wiederum eine bessere Steuerung der Verkehrsnachfrage und eine optimale Verknüpfung der verschiedenen Verkehrsträger. Der Kanton Zürich sollte hier eine Vorreiterrolle einnehmen, indem er z. B. Pilotprojekte unterstützt.
  • Einen wesentlichen Einfluss auf die Kapazität unserer Verkehrsinfrastruktur haben auch die Billettpreise und Verkehrsabgaben. Die ÖV-Tarife, vor allem GA- und andere Jahresabos, sind relativ tief und fördern so eine übermässige ÖV-Nutzung. Und beim Strassenverkehr haben wir u. a. eine Verzerrung zwischen Elektroauto und „Benziner“. Ganz generell gilt, dass die heutigen Preise nicht Angebot und Nachfrage wiederspiegeln – insbesondere in den Nachfragespitzen am Morgen und am Abend – und so zu einer ineffizienten Nutzung unserer Verkehrsinfrastruktur führen auf Kosten der Allgemeinheit. Mit einer Umstellung auf Mobility-Pricing kann dem entgegengewirkt werden.
  • Die Mobilität hat nicht nur positive Effekte auf Wohlstand und Lebensqualität, sondern sie führt auch zu einer höheren Luft- und Lärmbelastung und befeuert wesentlich die Zersiedelung. Dank intelligenter Bauweise und neuen Technologien konnte bereits heute die Belastungen für Mensch und Umwelt substantiell reduziert werden. Dieser Ansatz ist konsequent weiterzuverfolgen und mit Anreizsystemen (Mobility-Pricing, CO2-Abgabe) noch zu stärken. Gleichzeitig sind die Richtplanvorgaben des Kantons, dass das Siedlungswachstum vor allem in den Zentren stattfinden soll, von den Städten und Gemeinden konsequent umzusetzen (Stichwort Verdichtung). Und selbstredend müssen die Verkehrsplanung und die Raumplanung aufeinander abgestimmt werden, wie dies auch das jüngste Gesamtverkehrskonzept der Volkswirtschaftsdirektion vorsieht.

Es gibt viel zu tun, damit die Zürcher Verkehrsinfrastruktur mit dem Bevölkerungswachstum und der höheren Nachfrage mithalten kann. Es ist aber möglich, denn die Lösungen liegen auf dem Tisch – und werden bereits von unserer Volkswirtschaftsdirektorin und unserer Kantonsratsfraktion umgesetzt. Teil davon ist auch die kantonale Volksabstimmung vom 10. Juni über die Einlagen in den Verkehrsfonds. Die Delegierten haben mit grossem Mehr die Ja-Parole gefasst. Gerne möchte ich Sie bitten, dieser Vorlage ebenfalls zuzustimmen.

Wir machen Verkehr. Wir machen Wohlstand und Lebensqualität.

Liberale Grüsse

Hans-Jakob Boesch

 

(Erschienen im Zürcher Freisinn 2/2018)